Ein Fluss, der das Dorf prägte
Die Woluwe entspringt in Watermaal-Bosvoorde, im Sonienwald, und mündet bei Vilvoorde in die Senne. Sie gab Sint-Lambrechts-, Sint-Pieters- und Sint-Stevens-Woluwe ihren Namen, bildete die Westgrenze von Zaventem und fließt mitten durch Diegem. Jahrhundertelang lag das Dorf an beiden Ufern. Auch heute wohnen die meisten Menschen in Diegem an den beiden Hängen entlang der Woluwelaan, zwischen dem Saventerlo und dem Korenberg auf der einen und dem Drielinden-Plateau auf der anderen Seite.
Mitte des 19. Jahrhunderts beschrieb Alphonse Wauters das Tal als Juwel: Ein Fußweg folgte jeder Biegung des Flusses, vorbei an weiß gekalkten Häuschen, Gemüsegärten, Wiesen und von Erlen gesäumten Teichen. Noch in den 1950er Jahren kamen Städter sonntags zum Spazierengehen hierher, zur St.-Katarinamolen, zum Donjon, zum Schloss und zur Kirche.
Woluwe und Hollebeek
Neben der Woluwe floss ein kleinerer Bach, die Hollebeek: ein ‚hohler‘, also offener Graben. In Diegem flossen die beiden Gewässer dreimal zusammen und trennten sich wieder. Die Müller nutzten das geschickt: Mit Schleusen leiteten sie das Wasser in den Bach, der ihr Mühlrad antreiben sollte. In alten Urkunden heißt die Woluwe auch ‚Leybeke‘ oder ‚Moolenbeeck‘, und für die vielen Stege, Rinnen und Durchlässe über dem Wasser war eine Abgabe zu zahlen.
1208 wurde die Woluwe bei Vilvoorde durch einen gegrabenen Kanal in die Stadtmitte geleitet, um die herzoglichen Mühlen mit Wasser zu versorgen. Dadurch verlor die Abtei Grimbergen ihre Wassermühle in Diegem. Herzog Heinrich I. entschädigte sie mit Zehnten in Wemmel.
Hochwasser und Verschmutzung
Der Fluss brachte nicht nur Segen. In der Nacht vom 4. auf den 5. Mai 1839 trat er über die Ufer und beschädigte mehrere Häuser; nach dem Gemeindesekretär stieg das Wasser 9 bis 10 Fuß hoch, und ein Block von sechs Häusern wurde zerstört. Ab 1846 klagte der Bürgermeister über Abfälle von Fabriken flussaufwärts, darunter Gasrückstände aus Zaventem: Das Wasser stank, und das Vieh wurde krank. 1884 mussten Georges De Coninck und Zunz eine Abgabe zahlen, weil sie die Woluwe verschmutzten.
Unter der Erde
1924 trat Diegem dem Zweckverband zur Sanierung des Woluwetals bei. 1930–1935 wurde der Fluss überwölbt: Die Bäume an den Ufern wurden gefällt, und Rammen dröhnten durch das Tal. Nach dem Krieg wurde das Dach des neuen Sammelkanals asphaltiert, und so entstand die Woluwelaan. Nur an der Duivenmolen und knapp hinter der Grenze, an der Mühle Stockmans in Zaventem, ist die Woluwe noch zu sehen.
Zwischen 1973 und 1975 baute der Woluwe-Zweckverband an der Ecke Tenaertslaan und Woluwelaan ein Rückhaltebecken von 48.000 m³. Bei starkem Regen hält es einen Teil des Wassers zurück, sodass Machelen und Vilvoorde seltener überschwemmt werden. Es ist eines von zehn solchen Becken zwischen Oudergem und Machelen; das von Diegem kostete etwa 100 Millionen Franken.