Der Donjon an der Broekstraat ist heute Brasserie, Restaurant und Hotel. Mit seinem zinnenbewehrten Eckturm wirkt das Gebäude mittelalterlich, doch seine Geschichte ist die einer herzoglichen Mühle, eines Bauernhofs und eines Wirtshauses.
Die Herzogsmühle
Flussabwärts der Voorde, wo heute der Donjon steht, lag die Herzogsmühle. Im 13. Jahrhundert gehörte sie Reynier van Haeren, doch am Dienstag nach Ostern 1285 übernahm sie Herzog Johann I. Von da an war sie eine Bannmühle: Die Einwohner von Diegem, Haren, Machelen und Melsbroek mussten dort ihr Getreide mahlen lassen. Der Herzog verpachtete die Mühle jeweils für einige Jahre; die Pacht wurde in Mudden Roggen und Pfund Wachs bezahlt.
Am 28. Mai 1477 wurde die Mühle in Mechelen öffentlich ‚beim Erlöschen der Kerze‘ verpachtet: Nach dem letzten Gebot zündete man eine zwei Zoll lange Wachskerze an, und wer vor ihrem Erlöschen das höchste Gebot abgab, erhielt die Pacht. 1545 erzählte die Müllerin Anna Stroobant der Rechenkammer, wie sie mit ihrer Familie vor den Truppen Maartens van Rossem geflohen und ihr Mann dabei erschossen worden war; ihre Rückstände wurden erlassen. 1578 steckten spanische Soldaten die Mühle in Brand. Die letzte Spur stammt von 1772.
Vom Hof Vermeren zum Donjon
Die Ferraris-Karte von 1777 zeigt hier die ‚cense Vermeren‘, einen Zinshof, damals im Besitz des Grafen Vilain XIV. Der Giebelstein trägt die Jahreszahl 1762. Das Türmchen, das dem Gebäude sein mittelalterliches Aussehen gibt, kam wohl erst Ende des 19. Jahrhunderts hinzu. Nach einer Erzählung, für die keine Quelle bekannt ist, sollen die Herren von Diegem hier um 1500 einen Jagdpavillon gebaut haben, in dem später Fürsten und sogar Rubens gewohnt hätten; die Geschichte geht jedenfalls nicht ganz auf, denn Rubens starb 1640, vor dem Bau von Beaulieu.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde daraus ein Wirtshaus mit stimmungsvoller Gaststube. Eine Brüsseler Gesellschaft machte daraus über einen gewissen Herrn Matheussens eine ‚Laiterie‘, ein Hotel und Restaurant für ein wohlhabendes Brüsseler Publikum, und legte den großen Teich an. Nach dem Ersten Weltkrieg betrieb Marie Louise Van Peteghem die ‚Laiterie du Donjon‘, danach Ferdinand Barbier, und ab 1940 führte Henri Bekaert dort eine Familienpension. Bei den Arbeiten an der Woluwe (1930–1935) wurden die Teiche verkleinert und viele Bäume gefällt. 1957 kaufte die Firma Wanson das Anwesen und richtete es geschmackvoll als Gästehaus ein. Seit 1998 gehört der Donjon der Gemeinde.